Der PON gehört zu den Urtypen der Hirtenhunde und man vermutet, daß er schon um 1500 Herden gehütet haben soll.

Er entspricht in seinem Typ der dicht und rauh behaarten Gruppe Hütehunde, wie man sie -außer in Polen- auch in anderen osteuropäischen Landstrichen antrifft.  Hirtenhunde sind überall dort entstanden, wo es Hirtenvölker gegeben hat und zum Teil noch gibt.

Mittelgroß, etwas zottig im Fell, mit dichtem Unterhaar, so ist uns dieser zähe kleine Arbeitshund erhalten geblieben. Er ist sicher ein Überlebenskünstler, hat er es doch über viele Jahrhunderte geschafft, seine ursprünglichen Eigenschaften zu bewahren.

Er überlebte Kriege, Zersiedelung und Entbehrungen und den Übergang in das städtische, moderne Leben. Als Hüter freilebender Herden und Wächter der Hirten und ihrer Familien beugte sich der PON von Anfang an willig der menschlichen Autorität und war seinem Herrn ein treuer und gefälliger Gefährte, voller Anhänglichkeit zu seinen Zweibeinern und distanziert zu Fremden.

Man erzählt von seinen Vorfahren, daß sie die Herden weit übers Land zu den Märkten trieben. Seine Halter und Züchter waren vor allem die Schafzüchter, deren gekauftes oder verkäufliches Vieh über lange Strecken getrieben werden mußte.

Man muß sich einmal vorstellen, unter welchen Schwierigkeiten und Gefahren so ein, nur auf seine Beine angewiesener Viehtransport durchgeführt werden mußte. Es werden außerdem nicht nur Halunken aus dem Tierreich gewesen sein, die sich den Herden mit unlauteren Absichten näherten.

Auch Wegelagerer und Wilddiebe werden sich bestimmt gern an diesem fremden Wandergut zwecks Auffüllung eigener Bestände vergriffen haben.

Vielleicht hat sich der PON aus dieser Zeit seine hohe Wachsamkeit bewahrt und seinen mutigen Einsatz Hab und Gut seiner Besitzer unter Einsatz seiner ganzen Kraft zu verteidigen. Ein PON, der den Einkaufskorb oder den Kinderwagen seiner Herren vor dem Einkaufsladen „bewacht!“ ist ein sehenswürdiger Anblick.

Seine Vorfahren jedenfalls hatten den Mut Schaf und Rind in Gang zu halten und sie mußten auch Mensch und Tier bewachen, wenn andere sich in böser Absicht näherten. Vor diesen einstigen Herdengebrauchshunden sollte man noch heute Respekt haben, denn ohne sie hätten die Menschen es sehr viel schwerer gehabt. Größere Ansammlungen von Tieren zu versorgen und zu schützen, konnte ohne die „zweiten Helfer“ dieser Bauern kaum gelingen.

Hütehunde hatten vielfältige Aufgaben zu bewältigen, die sich grundlegend von der des jagenden Gehilfen unterschied.

Zwar mußte auch der Herdenhund so scharf und mutig sein, daß er Raubzeug von seinen Schützlingen fernhalten und vertreiben konnte, aber andererseits durfte er sich nicht an den ihm anvertrauten Tieren vergreifen und er durfte sich auch nicht auf Hetzjagden hinter dem Raubzeug her einlassen. Während seiner Abwesenheit wären die Herden ja ohne Schutz gewesen.

Es wurde aber noch mehr von den Herdenhütern verlangt, nämlich große Selbständigkeit bei der Arbeit. Diese hohen Anforderungen setzen einen ebenso hohen Intelligenzgrad bei den Hunden voraus. Die Anfänge der züchterischen Auswahl Eine systematische Zucht fand nicht statt. Die in den dörflichen Ansiedelungen gehaltenen Hunde vermischten sich untereinander.

Sicher hat aber der Hirte aus den Hunden, die ihm zuwuchsen, immer wieder jene ausgesondert, die sich als nicht geeignet erwiesen und jene behalten, die den Anforderungen entsprachen. Es wäre sentimental und gegen alle Logik, wenn die Menschen jener Zeiten nicht so gehandelt hätten, auch wenn sie nicht das geringste über Erbanlagen und Vererbung wußten.

So klug sind sie bestimmt gewesen, daß sie erkannten, welcher ihrer Helfer wirklich einer war und wer nicht. Allein die Arbeitswilligkeit, die Gesundheit und die Ausdauer waren daher die Vorzüge, die einen polnischen Hütehund auszeichneten.

Auf Schönheit achtete man nicht, wertvoll war ein Hund durch seine Gefolgschaftstreue und Wachsamkeit und durch ein anpassungsfähiges Wesen.

Dennoch, oder gerade deswegen überlebte der PON und ließ ihn zum modernen Familienhund werden, der sich immer größerer Beliebtheit erfreut. Er ist ein echter „Allrounder“ geworden, der für seine Menschen durch dick und dünn geht!

Wenn Sie heute also eine Rasse wählen sollten Sie sich unbedingt über die Vorfahren und den ursprünglichen Zuchtzweck informieren, denn keine Rasse kann das Erbe seiner Ahnen verleugnen. Hütehunde können echte Familienhunde sein.

Statt der Herden bewachen sie ihre Menschen, deren Haus und Hof. Sie sind ernst zu nehmende Beschützer, mutig und trotzdem sanft.