Kategorie: Tipps&Tricks (Seite 1 von 2)

Zucht und Anthroposophie

Artgerechte Zucht entsteht zunächst im Herzen, bevor sie mit Vernunft umgesetzt werden kann – Anthroposophische Gedanken zur Zucht von Hunden

Alle östlichen Heilkunden und Lehren gehen davon aus, dass die biochemischen Reaktionen im Körper durch Emotionen, also durch die Gefühlslage eines Individuums ausgelöst werden. “Krankheit” im östlichen Kontext ist die lange Kette von gefühlsmäßigen, negativen Stressreaktionen im Körper, zuletzt erkennbar durch strukturelle Störungen. Im westlichen Denken geht man von einem umgekehrten Prozess aus: Kranker Körper = kranker Geist.

Fast alle Heilertraditionen im östlichen Kulturraum haben ihren Schwerpunkt in der Vorsorge, in der Prävention gesehen und viele Heilbehandlungen zielen einzig darauf ab, den Mensch oder das Tier wieder zu zentrieren und dabei den Energiefluss CHI und die Balance wieder herzustellen. (z.B. Akupunktur, Kinesiologie, Meridian – und Elementenlehre)

Der Philosoph und Naturwissenschaftler Rudolf Steiner, der Begründer der Anthroposophie, hat diese Zusammenhänge vor über 150 Jahren ebenfalls erkannt. Er war sein Leben lang bemüht, diese geisteswissenschaftliche Erkenntnis im Westen umzusetzen, indem er vorrangig die Bio-Dynamik eines Lebewesens (Pflanze, Tier und Mensch) stärkte, durch Haltung, artgerechte Fütterung, Freilauf und Stressvermeidung! Steiner wollte eine Erweiterung der Medizin durch die Geisteswissenschaft, also eine Erneuerung der antiken Mysterienmedizin. Für ihn war die rhythmische Ordnung der gesamten Natur von entscheidender Bedeutung. Die gegenseitige Achtung, die Gewährung eines naturbelassenen Lebensraums unter Berücksichtigung auch der menschlichen Interessen, das wollte er den Bauern seiner Zeit zur Verbesserung der Tierhaltung in der Landwirtschaft vermitteln.

Die Gründung der DEMETER-Organisation und der Anthroposophischen Gesellschaft war die Folge seiner unermüdlichen Lehrtätigkeit

Gerade heute in unserer post-modernen, lieberalen Zeit, wo alles „Natürliche“ der Ökonomie unterworfen wird und mit dem Begriff „Zucht“ vor allem Wirtschaftlichkeit gemeint wird, ist es von großer Dringlichkeit Züchter darüber aufzuklären, dass Hundewelpen in einem artspezifischen Umfeld aufwachsen müssen. Anthroposophische Tierzucht stellt die Unversehrtheit (Gesundheit), das Wohlbefinden (Haltung), das Wesen (Seele) der Tierart als züchterische Basis in den Vordergrund. Das ist Zucht mit dem Tier und nicht gegen das Tier. Man begünstigt, was wesentlich an der Tierart ist.

In der konventionellen Zucht wird auf Qualitäten, deretwegen die Tiere einst domestiziert wurden, keine Rücksicht mehr genommen, da herrscht oft gnadenlose Einseitigkeit. Der Hund wird zum Selbstzweck des Exterieurs zurechtgetrimmt und verstümmelt. Die meisten Rassen sind inzwischen genetisch eng verwandt und zwar weltweit!

Das muss notgedrungen Rückwirkungen auf das Wesen der Tiere haben. Vererbung (Genetik) und Vitalität (Lebensbildungskräfte) stehen sich bei dieser Art von Zucht gegensätzlich gegenüber. Das Tier selbst hat keine Rechte mehr. In der anthroposophischen Zucht gilt: Wenn man gute Eigenschaften und eine große Vererbungssicherheit haben möchte, muss man die Umwelt so gut dem Tiertyp anpassen, dass das Tier keine großen Anpassungsleistungen vollziehen muss, sondern, dass seine innewohnenden Gestaltprinzipien, seine Organisation, die er vererbt bekommen hat, sehr gut zu der vorhandenen Umwelt passt.

Man kann also immer dann die Vererbungslinien enger halten (IK-Wert), wenn man die entsprechende Umwelt konstant zur Verfügung stellt. Dann ist die Gefahr der Vitalitätsdepression geringer. Besonders gut lässt sich dies fördern, wenn ein inniges Vertrauensverhältnis zwischen Zuchttier und betreuenden Menschen besteht. Dieses gibt dem Tier die Möglichkeit zu großer Offenheit der Umwelt gegenüber, weil es ihr angstfrei begegnen kann und dadurch freie Ressourcen (Energien) bekommt, die es nicht mehr für diese Auseinandersetzung benötigt.

Der Begriff „anthroposophisch“ bedeutet in diesem Zusammenhang, dass bei allen praktischen und theoretischen Zuchteingriffen der Rhythmus der Natur in Einklang zu bringen ist mit menschlichen Interessen. Die Zucht wird nicht nur um des Menschen Willen betrieben. Das anthroposophische Zuchtkonzept gesteht der Biodynamik wieder eigenen Entfaltungsraum zu. Das Gebären von Nachkommen, das Heranwachsen der Welpen liegt somit in erster Linie in der Fortpflanzungskraft der Gattung begründet. Denn: Leben erzeugt sich immer wieder selbst. Hält man sich als Mensch zurück, begegnet man dem Geheimnis und dem Wunder dieser Leben erzeugenden Schöpferkraft.

Geht es dem Hund gut, wird er nicht krank werden, obwohl eine Disposition vorhanden ist. Und umgekehrt! Das gesündeste Erbgut kommt nicht zum tragen, wenn der Hund unsachgemäß, lieblos und unter miserablen Bedingungen gehalten wird. Dann wird er nämlich krank, an seiner Seele und an seinem Körper, ausgelöst durch Stress, Angst und mangelndem Verständnis. Das ist meine Überzeugung, die sich auf langjährige, persönliche Erfahrungen stützt. Jedem Züchter steht es zu, eine andere Meinung zu haben.

Wir  haben uns zum Ziel gesetzt, durch Aufklärung und durch intensive Schulung, interessierten Züchtern einen Weg aufzuzeigen, wie man biologisch-dynamische Hundezucht betreiben kann, die sowohl die klassischen Elemente der Tierzucht beinhaltet als auch das Wesen der Hunde in allen Bereichen berücksichtigt.

Ein Welpe kommt ins Haus!

Abgabealter
Vorgaben für das „richtige“ Abgabealter gibt es nicht, nur Empfehlungen. Natürlich gibt es ein Alter, vor dem Welpen nie und nimmer abgegeben werden dürfen, es sei denn aus Tierschutzgründen.

In der Regel werden alle Welpen, egal welcher Rasse, zwischen der 8. und 12. Lebenswoche abgegeben. Erfahrungen haben gezeigt, dass sie zu  diesem Zeitpunkt die nötige Reife haben und sehr neugierig sind.

Jetzt wollen sie unbedingt etwas Neues kennenlernen und was wäre hierzu geeigneter, als in ein neues Rudel aufgenommen zu werden? Trotzdem ist es wichtig, die  individuelle Biographie und das Umfeld seines Welpen bei der Übernahme zu berücksichtigen.

Manchmal ist es besser, man lässt den Welpen noch 1-2 Wochen in der Obhut der Mutter (die nimmt einem nämliche wichtige Lerninhalte ab), manchmal ist es aber auch gut, man holt den Welpen früh zu sich, wenn man zum Beispiel möchte, dass er etwas ganz Bestimmtes sehr früh lernt.

Niemals sollten Welpen vor der 7. Woche abgeben werden! Hände weg von Züchtern, die dafür eine fadenscheinige Erklärung haben.

Die Vorbereitung zum Abholen
Es hat sich bewährt bei einem Besuch beim Züchter eine kleine Decke oder ein Handtuch zu hinterlassen, damit sich der Kleine, durchaus der ganze Wurf, geruchsmässig verewigen kann und vertraute Gerüche hinterlässt.

Der Welpe wird am Abholtag nicht mehr gefüttert, damit er nicht mit vollem Magen die erste Fahrt erleben muß. Ein guter Züchter gewöhnt den Wurf oder einzelne Welpen schon vorher an das Autofahren und sogar an eine leichte Leine. Und einen Futterplan mit einem Aussteuer-Paket für die ersten Tage gibt er auch mit. Den passenden Namen für Ihren Welpen finden Sie beispielsweise auf der Seite hundenamen-auswahl.de

Der Transport, die Gewöhnung ans Auto 

Ausgiebig und in aller Ruhe das Auto „zeigen“, also beschnuppern lassen, mit ruhigen Kommentaren begleiten, damit der Welpe Vertrauen fasst zu dem Ding, in dem er gleich eine zeitlang verbringen muss.

Nehmen Sie eine Begleitperson zur Abholung mit, die sich während der Fahrt um den Welpen kümmern kann. Es ist etwas anderes, den gesamten Wurf, womöglich mit Mutterhündin, ans Autofahren zu gewöhnen, oder ihn nachher abzuholen und mit neuen Menschen und Gerüchen zu konfrontieren.

Bewährt hat sich ein Einkaufskorb (Klappkorb), den man auspolstert und wo er sich hinlegen und auch mal umdrehen kann. Aber er darf nicht rausklettern.

Deswegen stellt man den Korb am besten zu sich auf den Rücksitz und die Begleitperson fährt ebenfalls auf dem Rücksitz mit. Fein heraus ist, wer einen zweiten autogewöhnten und erfahrenen Hund als Unterstützung dabei hat.  Er holt sich die Sicherheit vom erfahrenen Hund.

Gewöhnung ist alles

Das erste Ziel, bei dem das Auto anhält und er raus darf, das wird er sich als angenehm oder unangenehm einprägen: Sie haben die Wahl zwischen Wald, Wiesenblumen oder den Benzindüften und Glasscherben auf Autobahn-Raststätten.

Nehmen Sie sich also lieber Zeit und fahren etwas abseits ins Grüne und lassen Ihren kleinen Hund schnüffeln, pullern und auch etwas Wasser trinken. Wenn er sein Bächlein gemacht hat, geht die Fahrt weiter.

Übrigens!

Der Welpe wird noch im Auto angeleint! Sonst gibt es den ersten Stress mit Geschrei und der Welpe flitzt davon!

Das Halsband darf nicht über den Kopf rutschen! Es soll ihn natürlich auch nicht würgen. Nicht unkontrolliert springen lassen, sondern herausheben. Denn sein Knochenbau und seine Bänder und Sehnen sind noch alles andere als stark genug, um solche Sprünge ohne späteren Schaden zu überstehen.

Dann sofort auf den Boden setzen! Nun lassen Sie ihm die Zeit, sich umzusehen und zu schnuppern, keine Eile! Kein Stress. Halten Sie auch Ihren Ehrgeiz zurück und geben keine Kommandos!

Zu diesem Zeitpunkt kann sich der Welpe nur auf wenige Reize einlassen und unter Anspannung kann niemand sein Geschäft verrichten. Haben Sie seine Transportbox auf dem Rücksitz verstaut, dann heben Sie ihn wieder rein, loben Sie ihn und die Fahrt geht weiter. Er wird sich wieder hinlegen und schlafen.

Zu Hause angekommen
werden keine Besuche empfangen, auch und vor allem nicht gleich alle Nachbarskinder oder „beste“ Freunde und auch nicht der Hund des Nachbarn.  Gehen Sie zunächst mit ihm in den Garten, lassen Sie alles andere stehen.

Auch hier ist wichtig, dass Sie ihm den Empfang so angenehm wie möglich machen, denn diese Eindrück sind prägend!

In seinem Garten darf er dann schnüffeln, bis ihm die Luft ausgeht. Sein Revier! Passen Sie auf seine unruhigen Beschnupperungen am Boden auf. Er sucht. Er sucht seine Duftmarken und die seiner Welpengeschwister oder seiner Mutter. Das Hinweisschild „Hier ist Euer Klo“ gibt es aber nicht mehr!

Alles klinisch rein. Er muss aber dringend. Beruhigen Sie ihn mit ein paar Worten. Dann, wenn er sich traut sein Pipi oder gar sein Häufchen zu machen, dann loben Sie ihn mit Worten und streicheln ihn.

Er weiss dann, daß er nichts falsch gemacht hat. So etwa nach fünf, sechs Tagen der konsequenten Wiederholung, hier ist mein Platz, hier darf ich „es“ machen, hat er gelernt, sich im neuen Revier heimisch zu fühlen. Es liegt an Ihrer Konsequenz, wie schnell Sie und Ihre Familienmitglieder das hinkriegen.

Er lernt schneller, als Sie glauben, wenn Sie es ihm mit viel Geduld zeigen. Er wird nie gestraft, wenn es nicht gleich klappt, oder wenn er sich im Spiel vergisst.

Das tun viele Welpen noch – wie auch Menschenkinder. Aber die haben Windeln – schon vergessen? Wenn er am falschen Ort ansetzt, sofort hochnehmen und raus ins Freie.

Und wenn es doch mal passiert und das wird es, nie strafen, das versteht der Welpe nicht. Er wird nur verunsichert und traut Ihnen (und sich) nicht mehr. Setzen Sie ihn dorthin ab, wo er machen soll. Bei Erfolg loben. So prägt er sich das ein.

Pfützen und große Geschäfte im Haus werden stillschweigend weggeputzt. Kein Kommentar hierzu. Das gehört zur Welpenerziehung dazu und ist kein Weltuntergang. Je mehr Aufhebens gemacht wird, umso länger dauert es, das hat die Erfahrung gezeigt.

Wiederholung und Konsequenz machen den Erfolg.
Und dann ist erst mal Ruhe angesagt, er wird sich nach einem kurzen Rundgang durchs Haus einen Platz zum schlafen suchen. Legt er sich hin, legen sie ihm seine Decke mit den vertrauten Gerüchen dazu und lassen ihn schlafen.

Schliesslich sind Sie nun auch fix und foxi. Im übrigen wird der Hund, und sei er noch so niedlich, ausser dem Blitztransport zum richtigen Hundeklo, nie getragen! Er ist ein Lauftier und nicht krank!

Nur ins Auto, anfangs keine Treppen, vor allem keine glatten und durchsichtigen, da kann er auf den Arm genommen werden. Aber wie richtig tragen? Eine Hand unter den Brustkorb, die andere unter das Gesäss schieben.

Kinder tragen den Hund nicht, denn sie könnten ihn fallen lassen. Die wichtigsten Prägephasen dauern bis zum 6. Lebensmonat. Man nehme daher bitte auch den entzückendsten Welpen ernst und fängt gleich mit der Erziehung an.

Noch was zum Thema „Sauberkriegen“
Wenn man das Pech hat, ausgerechnet zur unwirtlichen Herbst- oder Winterszeit einen jungen Hund zu bekommen, dann sind die Schwierigkeiten mit der Sauberkeitserziehung besonders gross.

Begreiflich, denn wie soll sich der Hund lösen – Schliessmuskel erschlaffen lassen – wenn er vom angenehm warmen Zimmer in das rauhe, kalte Wetter ins Freie geführt werden muss.

Hier ist besonders viel Geduld erforderlich, er wird es auch lernen, aber vielleicht nicht so schnell und einfach wie im Sommer.

Bitte bedenken Sie aber immer: er kann nichts für sein Bedürfnis und es ist für ihn eine enorme Lernleistung, es Ihnen zuliebe im Freien zu erledigen.

Er muss erst lernen, dass er nicht ins Haus machen darf. Junge Hunde sind erst mit ca. 16 Wochen in der Lage ihr Geschäftchen längere Zeit zurückzuhalten. Also überfordern Sie ihn nicht und suchen mit ihm konsequent das Freie auf, auch wenn es draussen stürmt und regnet oder gar schneit.

Hunger, Müdigkeit und Spiel, alles auf einmal
Anstrengend, das alles, was wir ihm zumuten. Er hat sich das alles nicht ausgesucht, sondern wir ihn! Also machen wir es ihm angenehm. Aber nicht bequem.

Er muss nun in den nächsten Wochen die neue Hausordnung kennenlernen. Futter gibt es zu bestimmten Zeiten und nach einem exakten Plan. Sie geben ihm in seine Schüssel die Portion, die Ihnen der Züchter als Ration aufgeschrieben hat und zunächst dasselbe Futter.

Da gibt es grosse Unterschiede, und jeder weiss es noch besser. Bleiben Sie zunächst bei dem Futter, was Ihnen der Züchter mitgegeben hat. An dieses Futter ist er gewöhnt, es erinnert ihn an sein Zuhause und es riecht vertraut. Das ist für ihn im Moment das Wichtigste. Stellen Sie also nicht das Futter um in einer Zeit, wo alles nur Veränderung bedeutet.

Er wird prompt mit Verdauungsstörungen im Innen und Außen reagieren. Alle für ihn erreichbaren Haushalts-Reinigungsmittel sind sicherzustellen, er wird alles auf die Probe stellen, ob es nicht doch was Freßbares ist.

Wo hinlegen, wo schlafen, wo sind seine Geschwister?

Ein Welpe gehört in den ersten Tagen bzw. Nächten ins Schlafzimmer. Bitte nicht ins Kinderzimmer, sondern ins Elternschlafzimmer. Irgendwann wird der Kleine nämlich seine Geschwister vermissen, nachdem er müde geworden ist. Er sucht die Körperwärme seiner Geschwister. Aber wo hinlegen? Wenn es noch zu früh ist um schlafen zu gehen, setzen Sie sich zu ihm auf den Boden.

Auch hier sind die ersten Eindrücke prägend und die will man ihm doch so vertrauenserweckend wie möglich gestalten. Der Welpe darf nicht ins Bett! Das Bett, überhaupt Ihre Plätze sind für den Welpen von Anfang an tabu. In einer intakten Hundefamilie gibt der Leithund auch vor, wo man liegen darf und wo nicht.

Also, runter vom Bett oder von der Couch. Und wenn es 20mal sein muss. Er ist hartnäckig. Aber fangen Sie es erst garnicht an! Was in den ersten Tagen tabu ist, bleibt auch tabu!

Aber er darf am Bett schlafen, wenigstens für die erste Zeit. Weil ihm die Sehnsucht nach seinen Geschwistern zum Heulen ist. Er braucht dringend Nähe zu seinem neuen Rudel.

Will der Welpe rauf auf das Bett – also zu Ihnen – dann hilft nur eiserne, geradezu ermüdende Konsequenz: „Nein“. Runter, Hand auf den warmen kleinen Körper legen, über die Kruppe streichen. Das beruhigt.

Fress- und Tischsitten

Auch wenn es schwerfällt: Nutzen Sie die Gunst der Stunde der Ersterlebnisse: es ist von grosser erzieherischer Wirkung, wenn man gewisse Hausordnungen von Anfang an festlegt, und nur bei eigenen Fehlern korrigiert. Hunde sind Gewohnheitstiere, sie lieben feste Ordnungen. Und Welpen brauchen gewissen Ordnungen, schon, um ihren Stoffwechsel kontinuierlich auf-/ und abzubauen.

Und der Halter hat nach dem ersten Stress – wann frisst er, wann schläft er, wann hat er Spiellaune und wann muß er verdauen, die Zeiten besser im Griff, wenn alles nach einem geordneten Tagesplan verläuft und er lernt den Welpen beim Wichtigsten kennen:. Fressen, Verdauen, Spielen und schlafen.

Der Hund hat seinen von Anfang an ungestörten Platz, wo sein Freßnapf und seine stets mit frischem Wasser gefüllte Schüssel steht.

Dort, während des Fressens darf er nur zur Erziehungskontrolle des Rudelbosses „gestört“ werden. Ansonsten wird er in Ruhe gelassen.

Nachdem er aufgehört hat, seine Ration zu fressen, gibt man ihm noch ein paar Minuten Frist, ob er den Rest der Mahlzeit auch noch will, dann wird der Napf geleert. Keine Ausnahme.

Nur so gewöhnt er sich das Nachfassen oder Schlecken über zig Stunden ab. So gewöhnen Sie ihn daran, das Sie sich auf seinen Stoffwechsel-Rythmus einrichten können.

Er soll ungestört, aber zügig seine Portion fressen. Wie viel? Anfänger, die das richtige Mass nicht im Gefühl haben, verlassen sich auf die Ratschläge des Züchters und füttern erstmal so weiter wie es der Welpe gewöhnt ist.

Am besten, Sie legen sich eine Tabelle an und wiegen den Hund einmal im Monat und vergleichen mit den rasseüblichen Vorgaben.

Nach dem Fressen erst mal raus mit ihm ins Freie und dann darf er spielen bis er müde ist. Welpen dürfen nach dem Fressen nicht übermäßig toben, aber er darf sich normal bewegen und herumlaufen.

Fühlen Sie ab und zu über die Flanke ihres Hundes. Wenn Sie die Rippen spüren, hat er das richtige Mass. Fressen gibt es übrigens nur in der Hundeschüssel. Sonst erzieht man sie zu Bettlern.

Es braucht nur eine Ausnahme. Denn der Hund ist streng und konsequent. Er lauert auf seine Gelegenheit, wartet wie ein Jäger. Und wenn doch was runterfällt, dann hat er gewonnen. Und schon hat der Hund den Halter erzogen, das geht schnell.

Der erste Ausgang und die Überforderung
Lassen Sie ihn die ersten Tage im Garten, damit er sich vertraut machen kann. Sehr bald werden Sie merken, daß ihm das zu langweilig wird. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt gekommen um mit ihm eine kleine Runde spazieren zu gehen. Aber niemals Stress ausüben.

Lassen Sie ihn neugierig sein. Lassen Sie ihn vor allem auf dem Boden laufen, da, wo er hingehört und Kontakt aufnehmen kann zu anderen Hunden. Wenn Sie sich vorher kurz mit dem Halter abgesprochen haben! Schlechte Erfahrungen wird man nicht vermeiden können, soll man auch nicht, aber nicht gerade in den ersten Tagen.

Die ersten Spaziergänge sollten eine½ Stunde nicht überschreiten und sollten immer mit einem Erfolg abgeschlossen werden! Aber nicht überfordern. Der Welpe wird ihnen folgen, so lange er körperlich kann, das gibt ihm sein Instinkt vor. Setzt er sich hin, ist er eigentlich schon überfordert und hundemüde!

Welpen schlafen in den ersten Wochen noch viel. Lassen Sie ihn schlafen, er benötigt diesen Schlaf um wachsen zu können und das ist anstrengend. Stellen Sie Ihren Tagesablauf auf die Ruhephasen Ihres Hundes ein. Er ist schnell herangewachsen und dann kann er sich an Ihren Ablauf anpassen. Der junge Hund braucht viel Fürsorge und Verständnis.

Aber sein körperliches und psychischen Wachstum zu begleiten, ist ein Vergnügen, das nicht zu ersetzen ist und viel zu schnell vor sich geht.

Deshalb geniessen sie es, dieses junge Lebewesen im Haus zu haben und hetzen Sie ihn nicht. Sie haben die Entwicklung in der Hand, was aus ihm mal wird, entweder ein aufgeschlossener, stabiler Hund oder ein scheues Etwas.

Nutzen Sie diese Zeit. Zeigen Sie ihm seine und Ihre Umwelt. So wird er mit Ihnen selbstsicher. Unnötig zu sagen, dass man für die Eingewöhnung des Welpen ohnehin Urlaub nimmt.

Denn diese Zeit ist erstens Aktiv-Urlaub und zweitens ein Gewinn für die spätere Entwicklung. Wer jedoch zu wenig Zeit für einen Hund hat, und es kommt nie auf die Körpergrösse des Hundes an, der möge Tierfreund bleiben und so lange auf einen verzichten, bis er Zeit hat.

Er will lernen – mit Ihnen
Besuchen Sie mit ihm eine Welpenschule. Er lernt den Sozialkontakt und vor allem die Rangordnung mit anderen Hunden seines Alters. Und Sie lernen mit ihm. Solche Kontakte entscheiden über seine Wesensentwicklung ganz erheblich. Schüchternheit, Selbstsicherheit oder gar Angst ist nicht angeboren, sondern Gemütszustände, die sich auf Lernerfahrungen stützen.

Nehmen Sie sich auch viel Zeit und machen mit ihm Ausflüge in die Stadt, in verschiedene Parks, in den Wald oder mal ans Wasser. Alles was er jetzt lernt, wird ihm helfen seine Umwelt als reizvoll und abwechslungsreich kennenzulernen. Aber immer mit einem positiven Abschluß aufhören, nie wenn der Welpe unsicher ist, die Übung abbrechen.

Wenn er etwas stabiler ist, scheuen Sie sich nicht auch mal an Krach machende Plätze zu gehen, also an Sportplätze, Kindergarten, Schulen und lassen ihn ruhig auch mal dieses Getöse ertragen.

Nach anfänglichem Gezerre an der Leine wird er sich beruhigen und sich an Ihnen orientieren. Tun Sie so, als wenn es das Selbstverständlichste der Welt ist, lärmende Kinder zu beobachten oder an einer Hauptstraße zu stehen und die Lastwagen vorbeidonnern zu lassen.

TRÖSTEN SIE IHN NIEMALS!!!
Also kein beruhigendes Wort an ihn, wenn er winselt, die Rute einklemmt und den Schauplatz verlassen will. Ignorieren Sie ihn und sein Verhalten und nehmen Sie ihn niemals auf den Arm. Er muß sich dran gewöhnen und er wird sich dran gewöhnen! Also öfters mal so eine Übung wiederholen, und bei der kleinsten Erfolgsrückmeldung den Hund loben und nochmals loben.

Spielen und toben
Ein Hund, der nichts lernen darf, bleibt ein dummer Hund. Spielen ist eine entscheidende Vorstufe. Spielen ist soziales Lernen zum Überleben. Und spielen Sie mit ihm, lassen Sie ihn dabei nicht allein, bleiben Sie immer in sicherer Nähe zu Ihrem Hund, auch wenn er mit anderen spielt und tobt.

Er muß immer zu Ihnen zurückfinden. Hier werden die Weichen zu einer guten Bindung gelegt, denn alle positiven Erlebnisse nimmt der Hund gemeinsam mit Ihnen als Bezugsperson wahr.

Denn die Rangordnung ist eines der wichtigsten Regeln für das streng ordnungsliebende Gesellschaftstier Hund. Er muss nun in seinen Rang eingeordnet werden. Von Unterordnung oder gar Unterdrückung spricht niemand, der einen selbstsicheren Hund will.

Er muss die Regeln kennen lernen. Ein eingeordneter Hund ist immer auch ein zufriedener HundMan darf sich nicht davon abhalten lassen, dass er ja noch so klein und so süss sei. Er wird Ihnen dann bald zeigen, was er davon hält. Nehmen Sie Ihren Welpen von Anfang an ernst und leiten ihn hundegerecht.

Strafen?
Strafen kennen Tiere untereinander nicht. Sie weisen sich und andere zurecht. Die härteste Strafe für Hunde – vor allem für Welpen – ist die Isolation von der Umwelt und ihrer Menschen; die zweithärteste ist Korrektur durch Spielabbruch.

Aus dem Spielplatz entfernen, Überschnauzenpacken – nicht zudrücken, nur packen, wie die Hunde es auch tun. Korrekte Verbotshörzeichen geben: „Nein!“, am besten geknurrt „Nnnaaa!“. Und immer unmittelbar, noch besser im Ansatz der „Untat“. Zu spätes „Strafen“ verwirrt den Hund, er verknüpft es nicht mehr mit dem Verbot.

Am besten, man schaut sich das bei den Hundeeltern ab. Die können das. In einem natürlichen Rudel werden Welpen mit knurren „gewarnt“, wenn sie ein Tabu überschreiten.

Verstehen sie diese Warnung nicht sofort, wird nochmals gewarnt und auch mal die Lefzen hochgezogen. Der Ton wird lauter. Ein intakter Welpe wird sich sofort zurückziehen und in einem gebührenden Abstand vor den Alten liegenbleiben.

Für die Unverbesserlichen, die sich nochmals vorwagen, gibt es eine erneute, gesteigerte Lektion: der alte Hund bellt den Kleinen an und schnappt nach ihm. Das reicht meist aus, um ihn völlig zu erschüttern und er wird quickend und schreiend das Weite suchen und er hat seine Lektion gelernt.

Er wird es nicht mehr versuchen und wenn, bekommt er dieselbe Lektion nochmals verpasst, konsequent! Hunde kennen keine antiautoritäreErziehung, sie diskutieren auch nicht. Hier wird knapp und sehr deutlich auf die Tabus hingewiesen.

Hunde „sprechen“ mit ihrem ganzen Körper. Sie setzen ihn ein. Das hat man uns aberzogen. Lernen wir von den Hunden wieder eindeutige Körpersprache. Die Worte dazu lernt Ihr Welpe später mit den Körpersignalen zu verknüpfen, aber er wird auch immer auf Ihre Körperhaltung achten.

Zeigen Sie ihm, daß Sie sich freuen! Er wird seine Freude auch mit dem Körper zeigen. Er kringelt sich vor Freude, wenn Sie kommen, er wird sein kleines Hinterteil in die Höhe recken, wenn er mit Ihnen spielen will und er wird sich auf den Rücken legen, wenn er Unterordnung zeigt. Klemmt er den Schwanz ein, hat er Angst und ist unsicher, hoffentlich nicht, weil er sich vor Ihnen fürchtet. Sie sollten immer Anlaß zur Freude sein, es sei denn, Sie machen gerade eine erzieherische Übung mit ihm, dann darf er schon mal unsicher sein!

Sich spielerisch Achtung verschaffen
Sie suchen sich ein absolut begehrenswertes Teil für den Welpen. Etwas, was er verflucht gerne hätte, oder was ihm als Spielzeug gerade das Liebste ist. Das nehmen Sie auf und tragen es so umher, dass es für den Welpen wahnsinnig interessant wird.

Machen Sie das Spiel hundeverständlich und gehen auf alle Viere runter, (wenn es der Nachbar nicht sieht oder der Lebensgefährte). Das sieht dann für den Welpen aus wie im richtigen Hundeleben. Dann lassen Sie das gute Stück fallen.

Der Welpe, wenn nicht ganz verdattert, wird es sofort haben wollen. Da fahren Sie ihn an mit einem tief geknurrten „Nnnaaa!“ oder „Nnneein!“ Das Knurren ist dabei wichtig, denn das kennt er von seiner Mutter. Jetzt fängt es jedoch erst an.

Das Bestätigen sie jetzt durch eine kleine Verbesserung der Lehrstunde: Sie krabbeln mit dem Teil, dass Sie wieder aufgenommen haben, ein paar Zentimeter weg, der Welpe schaut sehr gierig, und lassen es fallen. Dann entfernen Sie sich ein Stück, tun so, als interessiere Sie das Ganze nicht mehr. Haben aber alles unter Kontrolle. Der Welpe wird nun – viel vorsichtiger als beim ersten Versuch – herankriechen.

Wenn sein Hals lang wird und der Fang schon geöffnet zum wegholen des Beutestücks, dann fahren Sie herum und wieder kommt der Ruf: „Nnneein!“ – Sie verknüpfen dies wieder mit dem Verbotshörzeichen „Nein!“, das später ja ohne dieses bühnenreife Stück funktionieren soll. Knurren Sie, überwinden Sie sich. Es hilft nur dem Verständnis des Hundes, der Verbote nur durch Knurren kennt. Im Notfall durch Schnappen.

Das ersparen wir uns aber. Der Welpe ist vermutlich – wenn Sie es ernst genug gemeint haben – unter den Tisch geflitzt. Huch! Böse. Hmm. Entweder verstärken und wiederholen Sie dies nochmal, oder Sie stehen auf, nehmen das Teil und – weg damit. Ende der Vorstellung. Sie haben ihm auf jeden Fall mächtig Eindruck gemacht und sie werden in seiner Achtung ein paar Sprossen steigen!

Wichtig ist auch dies als Lehre: Sie beginnen ein Spiel mit dem Welpen, und nur Sie beenden es. Damit dürfte die Rangfolge und -einordnung fürs Erste geregelt sein. Bei manchen Welpen sitzt diese Übung für Jahre und sie testen nicht nochmals nach.

Spielen lernen
Noch einmal, auch wenn es langweilt, aber da wir Menschen kaum mehr spielen können, oder es durften: Spielen ist Anleitung zum Leben – bei Wildtieren: Überleben. Spielen ist nicht bloss Herumalbern. Etwas spielend beigebracht zu bekommen, ist nach wie vor die beste pädagogische Methode.

Im Spiel kann der Welpe lernen, was zu weit geht, wer der Stärkere ist und der Schwächere. Gute Pädagogen unter erwachsenen Hunden lassen es zu, dass auch mal der Welpe „oben auf“ ist, sie, die wirklich überlegenen, unterwerfen sich schon mal, damit der Welpe selbstsicher wird.

Das wird bei den meisten jungen Hunden bei schwachen Erziehern, Dresseuren, heute noch falsch gemacht. Der Welpe bekommt nie das Gefühl, wie stark er sein kann. So werden Angstbeisser erzogen.

Aber zum Schluss eines Raufspiels müssen immer Sie als „Sieger“ hervorgehen. Damit klar bleibt, wer der Boss ist.

Es sind ganz einfache Spielregeln, die ein junger Hund lernen kann. Aber Hunde untereinander sind ungeheuer konsequent und streng. Bei Hunden gibt es kein Wenn und Aber. Keine Unentschiedenheit.

Psychisch starke Hunde nützen jede Schwäche, die sich ihnen im Ernstfall bietet, gnadenlos aus. Das wird aber bereits im Rudel unter verschieden alten Tieren erprobt.

Wenn ein Welpe, wie meist der Fall, keinen erfahrenen Hund als direkten Rudelgenossen zur Verfügung hat, dann müssen die menschlichen Rudelmitglieder diesen Lehrkörper darstellen. Und mit Körper meine ich wirklich die ausgeprägte Körpersprache, zu denen eben nur gesellschaftstüchtige Tiere fähig sind.

Sie müssen sich anderen mitteilen. Damit der andere versteht, was gemeint ist, was man will oder nicht. Dazu gehören Bestätigung und Verbot, Vermeiden und Vortäuschen (Imponieren).

Fürs erste genügt, (weil der überglückliche Mensch zu viel zu tun hat mit dem Glücklichsein und Beobachten), dass man dem Welpen die menschlichen Hände langsam entzieht. Sie sind fortan – auch wenn es schwerfällt, keine Spielzeuge mehr.

Seinen Beissdrang kann man mit geeigneten Spielzeugen (kein Plastik) befriedigen. Er muss sich ja nun anderweitig beschäftigen, weil die Geschwister nicht mehr da sind, mit denen man sich messen kann, bei denen man Nestwärme vorfindet. Sie sind für ihn nicht Welpe, sie sind Rudelführer!

Wenn Sie diese Rolle abgeben, wird er sie bald übernehmen, und Sie merken es später.

Er nimmt sich nur, was er kriegen kann.

Sie fangen sofort damit an, ein Spiel zu beginnen und es auch zu beenden: vom Boden wieder aufstehen und Spielzeug wegstellen. Sie bestimmen fortan die Regeln. So stellen Sie klar, wer hier der Boss ist. (Hier dürfen Sie es endlich sein, also tun Sie es.)

Das geht alles ohne Gewalt. Haben Sie schon mal gesehen, wie ein Hund einen Welpen zurechtweist? Dazu braucht er keine Zeitung, keinen Stock, sondern den Überschnauzengriff, weil dies auch die Elterntiere so machen. Der Überschnauzenbiss kann später mit einem Überschnauzengriff mit der Hand ersetzt werden. Das verstehen die Hunde sofort.

Seien Sie ein Souverän gegenüber ihrem Hund, spielen Sie mit ihm, aber nie gegen ihn. Höhere Lebewesen lernen früh und schnell. Also keine Ausreden Ihrerseits. Sie können dem Welpen schon in den ersten Tagen beibringen, dass er gemeint ist, wenn Sie seinen Namen rufen.

Dazu klatschen Sie in die Hände, um durch dieses Geräusch seine Aufmerksamkeit zu erregen, und als Signal, dass es von Ihnen ausgeht, und sagen dazu seinen Namen. Kommt er dann auch noch rein zufällig zu Ihnen, verknüpfen Sie dies sofort mit einem „Hier“. Wunderbar!

Er hat Ihr Hörzeichen mit der Umsetzung verknüpft. Die Verknüpfung zum richtigen Zeitpunkt ist das Geheimnis der Ausbildung.

Und wenn Sie ihn unmittelbar danach loben und belohnen, haben Sie das Prinzip des Lehrens begriffen. Sitzt er dann auch noch vor Ihnen ab, wiederholen Sie den Ablauf mit einem „Sitz“, wenn er sich gerade – noch zufällig – in diese Haltung bewegt.

Noch schöner, ist ja fast die halbe Grundausbildung! Weil Sie es begriffen haben, wie man Hunden etwas biologisch beibringt. Denn die Verknüpfung zum richtigen Zeitpunkt ist das Geheimnis der Ausbildung. Fürs erste. Denn nur die – auch für den Welpen – verständliche Wiederholung bestätigt und speichert er ab.

Rangordnungs-Training

Dies ist die wichtigste Lernübung für den Welpen, weil sie in seiner intensivsten Lernphase, der Prägephase zwischen der fünften und zwölften Lebenswoche, geübt wird.

Der Welpe hat schon bei seiner Mutter und mit seinen Wurfgeschwistern gelernt, dass es Unterschiede gibt: Stärkere, Schwächere, Frechere, Zurückhaltendere.

Und er hat gelernt, dass hund sich durchsetzen muss, um zu seinen existenz-sichernden Bedürfnissen zu kommen. Wird ihm das im neuen Heim alles wie von selbst gewährt, darf er alles tun und lassen, wie er will, wird er sich diese neue Bequemlichkeit sofort erobern und verteidigen.

Wäre doch blöd, wenn er es nicht täte. Er wird so ganz flott zum eigentlichen Rudelführer gemacht. Im Rudel selber bekäme er dafür sofort eins auf die „Schnauze“. Da gab es eine ganz klare Rangordnung.

Das erkennen erfahrene Hundezüchter schon bei den Welpen in der Kinderstube. Hier zeigt es sich schon, wer sich durchsetzen wird, auch im späteren Hundeleben.

Im neuen Rudel muss die Hausordnung neu gelernt werden.

Was man tun darf, wo, und was nicht. Wer es nicht lernen darf, tut, was er will. Das wird bei kräftigen Hunden dann später schwierig zu kontrollieren, weil die Halter es versäumt haben, die Rangordnung herzustellen und immer wieder zu bestätigen.

Damit fängt man klein an. Am ersten Tag schon, wenn nicht dann, wann denn? Hunde, auch ganz junge, denken sehr konsequent. Sie nehmen sich, was sie kriegen können. Wir aber legen als neue Rudelführer die Regeln fest. Er wird sie jeden Tag überprüfen. Ob es nicht doch… Kleine Regeln erleichtern die künftige Rangordnung. Er braucht diese Sicherheit seines Rangs.

Zum Beispiel seine Futterschüssel.

Welpen haben immer Hunger, der Futtertrieb ist meist sehr gut ausgeprägt. Er wird also versuchen, seine Schüssel zu verteidigen. Eine gute Übung, um die Rangordnung zu testen. Sie und alle Familienmitglieder gewöhnen ihn daran, dass sie ab und zu an seine Schüssel fassen dürfen, sie wegnehmen und wieder hinstellen. Von Beginn an einfach als Gewohnheit einführen.

Das kann meist nach wenigen Tagen dann wieder unterbleiben, weil der Welpe es ohne Murren akzeptiert, dass man an seine Schüssel geht. Er hat erkannt, dass er letzten Endes nicht um sein Fressen betrogen wird. Sie müssen im Grunde nur so tun, als würden sie jederzeit Kontrolle über sein Tun ausüben.

Das reicht meist. Das darf aber nie zum Ärgern ausgenutzt werden oder als Spiel. Kinder dürfen dies nie mit dem Hund üben, ohne die Kontrolle der Eltern. Denn Kinder kennen darin keine Lehre, sondern eine Möglichkeit zur Unterdrückung. Das wäre fatal für die Beziehung zwischen Hund und Kinder. Die Verantwortung der Eltern ist hier gefragt. Sorglosigkeit fördert hier Probleme.

Der Welpe muss nur lernen, dass er nicht knurren darf, wenn ihm Ranghöhere das Essen – in seinem Sinne – streitig machen. Der Spagat dieser Übung ist aber, ihm gleichzeitig das Vertrauen zu vermitteln, dass er nicht gestraft wird. Vor allem nicht, dass er ständig beim Fressen gestört wird. Das wäre ein Eigentor, weil der Welpe dann natürlich um sein Fressen kämpfen wird. zu recht.

Und er wird beim nächsten Fressen nervös und bekommt daher – wie wir bei Prüfungsterminen – eine nervöse Verdauung mit dünnflüssigen Folgen. Sie gewöhnen den Welpen mit diesem in aller Ruhe ausgeübten Training daran, dass Sie als Rudelführer jederzeit über ihn Kontrolle ausüben können. Wie im Raufspiel auch.

Er darf mal obenauf sein, sich als Sieger fühlen, ein Spielzeug sichern (wegtragen), dann muss er wieder verlieren lernen (unterliegen, das Spielzeug auslassen mit dem Hörzeichen „Aus!“). Dann wird er dafür gelobt. Wenn er spielend lernen darf, wie das ist, oben auf zu sein, wird er psychisch stark gemacht. Kontrolliert wird dies damit, dass zum Ende eines Spiels, dass immer der Rudelführer verkündet, der Rudelführer gewonnen hat. So wird die Rangfolge bestätigt.

Tierärztliche Erst-Versorgung

Wenn Sie Ihren Welpen vom Züchter abholen ist er geimpft und entwurmt und tadellos gesund. Es besteht kein Grund, ihn gleich zum nächsten Tierarzt zu schleppen (der das nur bestätigen wird). Wozu den Hund so einem Stress aussetzen?

Ein verantwortungsvoller Züchter gibt Ihnen einen Entwurmungsplan und ein Entwurmungsmittel für die nächste Entwurmung mit. Also ist der erste Gang zum Tierarzt erst zur Nachimpfung fällig und bis dahin hat sich der Welpe an Sie als Vertrauensperson gewöhnt.Ihr Tierarzt wird das weitere Vorgehen mit Ihnen über die fortlaufenden Impfungen besprechen.

Weitere Entwicklung

Nach dem Wechsel des Milchgebisses zum vollständigen endet die Welpenzeit. Dann wird der Welpe Junghund. Der Zahnwechsel setzt normalerweise mit dem vierten Monat ein und ist allgemein mit dem sechsten abgeschlossen. Hände und Wertgegenstände werden fortan nicht mehr gelocht. Die erste Läufigkeit setzt bei Hündinnen mit ca. 8 bis 12 Monaten ein, ein Rüde versucht ab derselben Zeit sein Beinchen zu heben. Damit hat die Geschlechtsreife eingesetzt.

Ab diesem Zeitpunkt haben wir es mit pupertierenden Rüpeln zu tun. Auch hier hilft nur Konsequenz und neue Lernübungen.

Das richtige Tragen und – wie lange

Welpen müssen getragen werden. Sie dürfen keine Treppen laufen und nicht ins und aus dem Auto springen. Denn dies beansprucht die Gelenke und Sehnen des Welpen zu sehr. Danach runter auf den Boden, wo normale Hunde hingehören. Dazu haben sie vier Beine. Es sind Lauftiere und keine, die man auch geistig auf den Arm nimmt. Vor allem dann nicht, wenn sie Schnauzenkontakt zur hundegerechten Begrüssung mit anderen Hunden haben wollen und müssen.

Gerade die ängstlichen Halter erziehen ihren Hund so zur eigenen Angst, zu Isolation (Höchststrafe für Rudeltiere) und zur unkontrollierten Angeberei (später: Angstbeisserei). Dieses Hochnehmen verführt andererseits fremde Hunde dazu, den Kontakt zu dem weggerissenen Hund erneut und intensiver zu suchen. Also Hände weg, wenn der Hund unter normalen Umständen unterwegs ist.

Wie soll er – wenn schon – getragen werden? Nicht von Kindern, die dieses Gewicht nicht locker beherrschen. Eine Hand unter die Vorderbrust – zwischen den Vorderläufen gespreizt. So hat man die Kontrolle über seinen Vorderbau und hält die Balance, wenn er vorn herumsucht. Das Hinterteil hält man mit der anderen Hand, man unterstützt quasi den Rest von unten.

Andere typische Welpen-Eigenschaften

Das Nagen aller erreichbarer und schier unmöglich erreichbarer Gegenstände. Der Welpe hat bis zum allseits ersehnten Wechsel der spitzen Milchbeisser zum richtigen Gebiss einen unstillbaren Nagetrieb. Es treibt ihn im Kiefer, es juckt und – lebt eben.

Das will abreagiert und beschäftigt werden. Geben Sie dem Welpen Ersatzobjekte statt teurer Kleidung oder Schuhe oder Möbelstücke oder Zeitungen oder Kloschüsselbürsten oder …

Kausteifen, kleinere Büffelhautknochen – angepasst an die Maulweite, und andere ausrangierte Gegenstände wird er vielleicht als Ersatz akzeptieren.

Jeder Hund ist anders, auch innerhalb einer Rasse. Lernen Sie Ihren Hund kennen und Sie werden bald merken, ob er einen ausgeprägten Spieltrieb, oder Futtertrieb hat. Gehen Sie auf ihn ein und fördern ihn, da wo ihm was fehlt und dämpfen Sie übersteigerte Triebe.

Vor allem sollte der Beutetrieb nicht gefördert werden! Auch nicht bei unseren sanften PONs! Also keine Spiele aufbauen, wo an Lappen oder Spielzeug gezerrt und geschüttelt wird! Bitte nehmen Sie diese Empfehlung ernst. Leider kommt es immer wieder zu Unfällen mit Hunden, die sich in ihren Beutetrieb reinsteigern und ungewollt unterstützt durch die Halter sich in der falschen „Beute“ vergreifen.

Der Hund darf selbst mit seinem Spielzeug „Beute“ spielen, es verschütteln und unterwerfen. Wir als Menschen beteiligen uns aber an diesen Spielen nicht und vor allem nicht unsere Kinder, die im Ernstfall mit so einer Situation nicht umgehen können.

Erleben in der Umwelt

Hunde riechen ca. 60fach besser als Menschen. Und diese Gerüche sind Informationen, gerade für unerfahrene Hunde. Wer war da und hat wann was gefressen und – später – welches Geschlecht hat der Hund? Ein junger Hund will alles wissen, so intensiv, dass er sich auch mal verschnüffelt, er „inhaliert“ förmlich alle diese interessanten Düfte.

Ziehen Sie ihn nicht weg, auch das ist „Bildung“ für den Hund Halten Sie sich mit Vermenschlichung zurück und schimpfen den Hund nicht, weil er anders ist. Auch wir wollen beim Zeitungslesen nicht gestört werden.

Die Entwicklungsstufen
Hunde wachsen sehr unterschiedlich, nicht kontinuierlich an allen Körperteilen

1. Die Geburt, der Biotonus (Überlebenswille) im Wurflager, die Primärprägung durch die Mutter und schon durch den Züchter und Umgebung, bis zum Abgabealter, nach dem Absetzen der Mutter.

2. Die Zeit der Grundimmunisierung und die zweite Präge- beziehungsweise Lernstufe (zwischen der siebten und 20igsten Lebenswoche) mit sehr starkem Wachstum.

3. Der Zahnwechsel und damit das Ende der Welpenzeit, gleichzeitig starke Lernphase und Übergang zur Geschlechtsreife, nach dem Zahnwechsel nochmals Wachstumsschub.

4. Die Geschlechtsreife (Pubertät) und der „letzte Schliff“ der Rangordnung, die höheren Weihen der Ausbildung können an die abgeschlossene Grundausbildung schliessen. Er wächst nur noch wenig, setzt aber mehr Muskeln an. Aus einem unförmigen Etwas wird nun ein stattlicher Hund. Ein Lauftier, ein bewegungsfreudiger Beutegreifer. Vergessen Sie das bitte nie!

Wichtiges zum Schluß
Nicht vergessen, den Welpen in einer Welpenschule anzumelden! Denn für die weitere Sozialentwicklung ist es von entscheidender Wichtigkeit, dass der Welpe Kontakt mit allen Spiel(rauf)arten zu seinen Artgenossen erhält.

Damit er gleich Rangordnungen und Sozialverhalten spielerisch kennenlernt. Leider ist nicht jede Welpenschule gleich gut. Überforderungen, Leistungsdruck und Unterordnungsdressur sind für alle Hunde unverständlich. Also von den Haltern abzulehnen.

Dennoch: Selbst schlechte Welpenschulen sind besser als gar keine. Denn der Welpe braucht vor allem Hundekontakt und Rangordnungsspiele. Dabei kann er auch an fremde Gegenstände; Geräusche und Menschen gewöhnt werden.

Basis für seine spätere Entwicklung.Helfen Sie Ihrem Hund und erziehen Sie ihn zu einem anständigen Familienmitglied. Er kann aber nur das lernen, was Sie ihm beibringen!

 

Seite 1 von 2

Läuft mit WordPress & Theme erstellt von Anders Norén