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14.01.2009
Auf den Spuren Rudolf Steiners, dem Begründer der biologisch-dynamischen Wirtschaftsweise
Was hat Hundezucht mit anthroposophischer Gesinnung zu tun?
Auf den ersten Blick fast nichts, beim näheren hinschauen doch einiges. Denn zu den „Standards“, die Rudolf Steiner den ersten DEMETER-Höfen vorlegte, gehörte auch die artgerechte Haltung, Fütterung und Zucht der Tiere. Aber es war ein weiter Weg dahin, bis die geisteswissenschaftlichen Grundlagen zum Gedeihen der Landwirtschaft Einzug in die Köpfe und in die Ställe der Landwirte nahmen.
Aber Steiner ging unbeirrt seinen Weg, er war von seiner Vision getragen und ließ sich weder von Skeptikern, Kritikern, noch von der NSDAP (die seine Schriften verbot) von seinem Kurs abbringen. Erst 30 Jahre nach der Gründung waren die deutschen Universitäten bereit mit ihm zusammenzuarbeiten. Übrigens war es die Hochschule in Giessen und die Uni Hohenheim, die als erste seine Arbeiten anerkannten.
Die anthroposophische Veterinärmedizin der Gegenwart hat sich ihren Platz in vielen Arbeitsbereichen geschaffen. Längst führt sie kein Schattendasein mehr, sondern wird beachtet und geachtet. Einige Therapien sind nur mit der Anthroposophie durchführbar, während sich in anderen Spezialgebieten anthroposophisches und schulmedizinisches Wissen ergänzen, wie zum Beispiel in der Fortpflanzung und Geburtshilfe. Um die Auswertung der wissenschaftlichen Daten kümmern sich heute modernste Tierzuchtwissenschaftsprogramme, wie zum Beispiel Dogbase und natürlich auch andere Auswertverfahren. Steiner hätte daran sicher seine Freude gehabt, war es ihm doch immer sehr wichtig, dass sich schulmedizinische Fakten und seine Arbeitsmethoden gegenseitig stützen und erfahrbar machen.
Aber wir wollen ja nicht nur die Veterinärmediziner von unserem ganzheitlichen Zuchtkonzept überzeugen, sondern auch die Züchter und die Käufer unserer Welpen. Da wird es mit den Erklärungen schon etwas schwieriger. Was ein Tierarzt sofort versteht, es geht ihm ja nur um die nachweisbare Fakten, muss einem „traditionellen“ Züchter schon besser verständlich gemacht werden.
Warum keine ganzzeitige Zwingerhaltung mehr?
Warum eine natürliche Verpaarung?
Warum kein Kaiserschnitt und künstliche Aufzuchtsbedingungen?
Weil Fortpflanzungskraft Lebenskraft bedeutet und wenn die Natur versagt, kann das sehr tiefgreifende Hintergründe im biologischen System haben und wird sicher die nächsten Generationen von Zuchttieren auch betreffen. Deshalb! Hände weg von allen Manipulationen im Fortpflanzungsgeschehen! Sonst sind wir mit unseren Hunden bald bei der klinischen Fortpflanzung angelangt. Beispiele aus der Massenzucht bzw. Nutztierhaltung und den Folgen gibt es inzwischen genug.
Gehen mir bei den anfragenden Züchtern die Erklärungen aus, weise ich sie auf die „biologisch-dynamische“ Landwirtschaft hin, auf die Hühner, die im Freien ihre Eier legen und die Landschweine, die noch in der Schlammkuhle liegen dürfen und dort auch ihre Frischlinge säugen. Das versteht jeder.
Hundezucht und der Verkauf der Welpen ist Vertrauenssache, sowohl beim Käufer als auch beim Verkäufer der Welpen. Viele Kaufinteressenten sind aber durch die vielen Berichterstattungen so verunsichert, dass sie vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr sehen und hinter jedem Hundezüchter einen potentiellen Betrüger vermuten. Natürlich ist es wichtig, dass die Hundekäufer kritisch mit der Anschaffung umgehen, aber Misstrauen ist ein schlechter Ratgeber.
Deshalb rate ich jedem Interessenten vor Ort zu gehen, sich die Hunde und die Zuchtstätte anzuschauen und sich von einem kompetenten Züchter beraten zu lassen. Dafür ist Zeit nötig und die hat nur ein Züchter, der nicht auf Masse produziert. Denn für die Gesundheit, die Leistungsfähigkeit und das Wohlbefinden der Hunde sind eine artgerechte Haltung sowie eine fürsorgliche Betreuung durch den Menschen unabdingbar und das ist nur möglich mit einer begrenzten Anzahl von Hunden, die in und mit der Familie leben dürfen. Artgerechte Haltung bedeutet aber auch, dass den Hunden ermöglicht wird, ihr arteigenes Verhalten zu leben, dafür benötigen sie Platz, freien Auslauf in einem natürlichen Gelände, soziale Kontakte, aber auch die Möglichkeit sich an einen ruhigen Platz zurückzuziehen.
Unser ganzheitliches Zuchtkonzept berücksichtigt die arteigenen Bedürfnisse und das Empfinden der Hunde und sie dürfen ihre Nachkommen auf natürliche Weise bekommen und aufziehen. Willkommen sind uns alle Züchter, die dieses Konzept mittragen und die das Wohl und die Gesundheit der Tiere in den Vordergrund ihrer Interessen stellen.
Als freie, unabhängige Züchtergemeinschaft sind wir keinen kommerziellen und vereinsideologischen Interessen verpflichtet, richten uns aber streng nach neuesten wissenschaftlichen und kynologischen Erkenntnissen und anderen Standards der modernen Rassehundezucht. Wer hierüber mehr wissen möchte, der lese bitte unter „Richtlinien“.
Abschließen möchte ich diesen Artikel mit einem nachdenklichen Satz des Theologen Eugen Drewermann im Spiegel, Ausgabe Dezember 2001:
„Wir brauchen eine neue Ethik! Ein wichtiger Maßstab der Menschlichkeit ist unser Umgang mit den Tieren. Wie wir zu ihnen sind, so sind wir wirklich!“
Vielen Dank für Ihr Interesse.
Karin Jetter


